15 Motion Control & Schrittmotoren / Stepper

Compact-Logic stellt verschiedene Funktionsbausteine für Stepper-Antriebe bereit.

Je nach Aufgabe – einfache Bewegung, Positionierung oder koordinierte Bahnbewegung – steht ein spezialisierter Funktionsbaustein zur Verfügung. Die folgende Übersicht hilft bei der Auswahl des passenden Bausteins.

Stepper Move (Relativ / Drive)
bewegt

  • Bewegt einen Stepper um eine definierte Strecke in einer vorgegebenen Richtung
  • Geschwindigkeit und Beschleunigung werden vorgegeben
  • Keine absolute Zielposition notwendig
  • Optional mit autom. Referenzierung
  • Schieber vor/zurück
  • Förderband takten
  • Indexieren von Werkstücken
  • Einfaches Joggen

Einfache, robuste Bewegungen, bei denen der Weg wichtig ist, nicht die absolute Position im Raum.

Stepper Position (Absolut)
positioniert

  • Fährt eine Achse auf eine absolute Zielposition
  • Arbeitet auf Basis eines Referenzpunkts (Homing)
  • Hält oder überwacht die Position nach Erreichen
  • Optional mit Endschalterüberwachung

  • Positionieren von Anschlägen
  • Einfache Automaten (XY-Raster)
  • Öffnen von Toren oder Klappen (z. B. 30 %)
  • Bohren auf definierte Tiefen
  • Verstellen von Werkzeugen oder Sensoren

Positionsaufgaben, bei denen eine reproduzierbare Zielposition im Vordergrund steht.

Stepper Path / XYZ (G-Code)
fährt Bahnen

  • Steuert mehrere Achsen synchron
  • Der Verfahrweg ist geometrisch definiert
  • Unterstützt G-Code (z. B. G0/G1)
  • Eignet sich für bahngebundene Bewegungen

  • Plotter- oder Fräsbewegungen
  • Koordinierte Positionierung mehrerer Achsen
  • Bewegungen mit konstantem Vorschub entlang einer Linie


Koordinaten- und Bahnbewegungen, bei denen der Weg entscheidend ist, nicht nur Start und Ziel.

Hinweis zur Maschinensicherheit

Die Ansteuerung von Motoren kann – abhängig von Mechanik und Anwendung – zu bewegten Teilen und damit zu sicherheitsrelevanten Gefährdungen führen. Compact Logic ist eine Steuerungs- und Logikumgebung und keine sicherheitszertifizierte Steuerung. Funktionen der Maschinensicherheit, wie z. B. Not-Halt oder sichere Abschaltung, sind nicht Bestandteil der Software. Erforderliche Schutzmaßnahmen müssen separat und unabhängig von der Steuerungslogik umgesetzt werden, z. B. durch:

  • einen elektrischen Not-Halt, der die Versorgungsspannung der Antriebe abschaltet
  • mechanische oder elektrische Eingriffsschutze
  • Einhausungen oder Abdeckungen bewegter Teile

Die klare Trennung von Steuerungslogik und Sicherheitsfunktionen entspricht dem etablierten Vorgehen in professionellen Maschinen- und Automatisierungssystemen.

Stepper Move- und Position-Mode – gemeinsame Grundlagen

Die Funktionsbausteine Stepper Move und Stepper Position verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen, basieren jedoch auf denselben grundlegenden Bewegungs- und Antriebsmodellen. Beide Bausteine nutzen identische Mechanismen zur Erzeugung der Schrittimpulse, zur Rampenberechnung sowie zur Zustands- und Fehlerverwaltung. Der Funktionsbaustein Stepper Path (G-Code) wird aufgrund seiner abweichenden Arbeitsweise auf einer separaten Seite beschrieben.

Gemeinsame Eigenschaften

Beide Funktionsbausteine:

  • erzeugen Schrittimpulse mit Beschleunigungs- und Bremsrampen
  • nutzen identische Mechanismen zur Richtungs- und Geschwindigkeitssteuerung
  • stellen umfangreiche Zustands- und Diagnoseinformationen bereit

Die Ausgangswerte können für:

  • Visualisierung (HMI)
  • Fehlersuche
  • Systemverständnis
  • sowie zur Weiterverarbeitung in der Anwenderlogik
    verwendet werden.

Gemeinsame Eingangsparameter

Die folgenden Parameter sind bei Stepper Move und Stepper Position identisch aufgebaut:

  • Schritte pro Umdrehung
    Anzahl der Schritte für eine vollständige Motorumdrehung (inkl. Microstepping)
  • Beschleunigungs- und Bremswerte, Getrennte Parametrierung für:
    • Beschleunigen / Bremsen
    • Bewegung nach rechts / nach links
  • Zielgeschwindigkeit
    Schrittfrequenz der Konstantfahrt nach Abschluss der Beschleunigungsrampe

Diese Parameter definieren das dynamische Verhalten des Antriebs
und wirken unabhängig von der jeweiligen Funktionsweise des Bausteins.

Stepper Move (Relativ / Drive)

Standard-Mode

(Einzelbewegung / Hin- und Rückbewegung)

  • Ein Impuls am Eingang Motion bewegt den Motor
    • mit Beschleunigungs- und Bremsrampe
    • um die vorgegebene Anzahl an Steps
  • Ein Impuls am Eingang Motion Back
    • bewegt den Motor um die gleiche Strecke
    • und anschließend wieder zurück
  • Wird das Signal DoRef gesetzt,
    • dreht der Motor mit der Referenzfrequenz
    • in die vorgegebene Richtung
    • bis der Eingang RefIni (z. B. Initiator) aktiv wird

Typische Anwendungen

  • Schieberbewegungen
  • Indexierbewegungen
  • einfache Referenzfahrten

AutoRef-Mode

(Bewegung mit automatischer Referenzierung)

  • Entspricht dem Standard-Mode
  • Zusätzlich wird nach jeder Move-Back-Bewegung
    • automatisch eine Referenzfahrt ausgeführt

Automatische Referenzierung

  • Nach Abschluss der Rückbewegung:
    • fährt der Motor selbstständig zurück
    • bis das Signal RefIni erkannt wird

Typische Anwendungen

  • Positionieraufgaben mit regelmäßigem Nachreferenzieren
  • Anwendungen mit erhöhten Genauigkeitsanforderungen
  • Mechaniken mit möglichem Schlupf oder Spiel

Motion-Mode

(Kontinuierlicher Motorbetrieb)

  • Der Baustein arbeitet als reiner Antrieb
  • Das Signal ContRun startet eine kontinuierliche Bewegung
    • mit Rampe
    • in vorgegebener Richtung
    • mit definierter Frequenz

Eigenschaften

  • Keine feste Schrittanzahl
  • Bewegung läuft, solange ContRun aktiv ist
  • Ideal für Dauerbetrieb

Typische Anwendungen

  • Förderbänder
  • Bandanlagen
  • kontinuierliche Materialzufuhr

Stepper Position (Absolut)

Beispiel 1: Einfache Positionierachse

Eine einzelne Achse soll reproduzierbar auf verschiedene Positionen fahren.

Aufbau

  • NEMA-17 Steppermotor
  • DRV8825 Steppertreiber
  • FB2 steuert die Achse im Positionsmodus

Funktion

  • Vorgabe einer absoluten Zielposition
  • Unterschiedliche Geschwindigkeiten und Beschleunigungen möglich
  • Der Baustein fährt die Achse kontrolliert auf die Sollposition

Typische Anwendungen

  • Anschläge
  • Verstelleinheiten
  • einfache Linearbewegungen

Beispiel 2: Manuelle Positionierung mit Drehgeber

  • FB2 steuert die Positionierachse
  • Rotary Encoder zur manuellen Vorgabe der Sollposition
  • Skalierte Geschwindigkeiten (Fein / Grob)
  • LED-Statusbalken zur Positionsanzeige

Funktion (entsprechend dem gezeigten Programm)

  • Der Drehgeber erzeugt Positionsänderungen
  • Je nach gewählter Skalierung (x1 / x10 / x100)
    • wird die Sollposition fein oder grob verändert
  • FB2 fährt die Achse auf die jeweils neue Sollposition
  • Die aktuelle Position wird kontinuierlich:
    • am FB-Ausgang ausgegeben
    • auf einem LED-Statusbalken visualisiert

Typische Anwendungen

  • Positionieren von Sensoren oder Werkzeugen
  • Handverstellung von Achsen
  • Einrichten / Justieren von Maschinen

Einfache 2D-Positionierung mit zwei Achsen

Zwei Achsen bilden einen 2D-Arbeitsbereich.
Positionen werden manuell angefahren oder aus einer Koordinatenliste abgearbeitet.

  • Positionen können manuell durch direkte Vorgabe der Sollwerte für X und Y angefahren werden oder automatisch aus einer X/Y-Koordinatenliste.
  • Jede Achse fährt dabei unabhängig auf ihre Zielposition; die aktuellen Positionen stehen jederzeit zur Verfügung.
  • Im automatischen Betrieb wird Punkt für Punkt positioniert und am Ziel eine Aktion ausgeführt, der Verfahrweg zwischen den Punkten ist dabei nicht relevant.

Typische Anwendungen

  • Einfache Bohrautomaten
  • Positionier- und Prüftische
  • Punktbasierte Automatisierungen im 2D-Bereich